Die Hafenstadt Sassnitz befindet sich im Nordosten der Insel Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Die Insel Rügen wurde am 27. Mai 1842 zu einem Landkreis zusammengefasst, welcher bis heute (in dieser Form) besteht. Im Süden und Osten grenzt Sassnitz direkt an die Ostsee, im Norden an den Nationalpark Jasmund. Mit ihren knapp 10000 Einwohnern ist Sassnitz die zweitgrößte Stadt auf Rügen nach Bergen auf Rügen und gefolgt von Putbus und Garz. Zugleich ist sie die zweitjüngste Stadt, da ihr noch vor Putbus 1957 das Stadtrecht zugesprochen wurde.
Sassnitz ist im Landkreis Rügen eine amtsfreie Stadt, und setzt sich aus mehreren Ortsteilen zusammen, die hauptsächlich aus Gemeinden der näheren Umgebung von Sassnitz bestehen wie z.B. Buddenhagen, Dargast, Mukran, Stubbenkammer usw.
Die industriellen Schwerpunkte liegen nach wie vor in der Fischverarbeitung und der Kreideindustrie. Seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wird wieder verstärkt der Tourismus als wichtige Einnahmequelle gefördert. Die nach dem 2. Weltkrieg zweckentfremdeten Pensionen konnten zum großen Teil erhalten und seitens der Stadt und der Sassnitzer Bürger restauriert oder wiederaufgebaut werden. Aufgrund großer Anstrengungen und Investitionen der öffentlichen und privaten Hände, errang die Stadt im Jahr 1998 wieder die staatliche Anerkennung als Erholungsort und knüpfte damit wieder an die Tradition des Fremdenverkehrs an. Durch städtebauliche Sanierungsgebiete versucht die Stadt, städtebauliche Mängel mit Maßnahmen der Stadterneuerung zu beheben. Der Weg zum Kurort soll weiter beschritten werden, bedingt durch das örtliche Heilmittel Kreide und die im Stadtteil Dwasieden erbohrte Thermalsole, sodass in einiger Zeit ein „Thermal-Kreideheilbad Sassnitz“ angestrebt wird.
Einen gewerblichen Schwerpunkt stellt der Stadthafen dar, dessen Wandel zum maritimtouristischen Hafen weiter vorangetrieben wird. Trotz einiger Fischkutter erfüllt der Hafen immer häufiger das Bild eines Yachthafens, bedingt durch ständig wiederkehrende Maritimtouristen. Ferner werden vom Stadthafen Rundfahrten zu den Kreidefelsen und den gegenüberliegenden Ostseebädern angeboten.
Desweiteren bietet der Stadthafen auch verschiedenen Museen Platz, so das Fischerei- und Hafenmuseum sowie das britische U-Boot H.M.S Otus.
Der Fährbetrieb wurde im Jahr 1998 in den Fährhafen Sassnitz-Mukran verlegt, was seitens der Bewohner nicht immer begrüßt wurde, da der Durchreiseverkehr zusätzliche Einnahmen versprach. Hervorzuheben sind die heutigen Linien Sassnitz-Klaipeda (Memel), Sassnitz-Trelleborg, Sassnitz-Bornholm, Sassnitz-St.Petersburg sowie Sassnitz-Baltijsk.
Da der Hafen einen unmittelbaren Zugang zurSee hat, ermöglicht dies der Schifffahrt eine unkomplizierte Ansteuerung. So sind zeitraubende Revierfahrten nicht notwendig und es besteht keine Lotsenpflicht. Wassertiefen von 10,50 m machen den Hafen für alle im Ostseeraum agierenden Schiffsklassen zugänglich. Als einziger Hafenstandort Westeuropas verfügt der Fährhafen Sassnitz über Gleis- und Umschlaganlagen für Eisenbahnwaggons der russischen Breitspur. Dies brachte dem Hafen auch den Namen „westlichster Cargo-Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn“ ein.
Seit den Anfängen waren der Fischfang und die Fischverarbeitung die Haupteinnahmequelle der Sassnitzer Einwohner, bis sich durch den Tourismus im ausgehenden 19. Jahrhundert eine neue Einnahmequelle erschloss. Trotzdem verlor die Fischindustrie nie seine Bedeutung für Sassnitz. Seit dem Jahr 1951 befindet sich im Stadthafen eine Fischfabrik. Ab 1955 galt sie als die größte Räucherei Deutschlands. Nach einer kompletten Modernisierung von 1969 bis 1971 wurde der Fisch in Dosen produziert. Nach 1990 kam es wie überall in den neuen Bundesländern auch in Sassnitz zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. So wurde der Fischfang in der Ostsee nicht mehr rentabel und immer mehr Fischtrawler und Fischkutter verschwanden aus dem Sassnitzer Hafenbild. Einzig die Fischverarbeitung konnte sich behaupten. Nach umfassenden Investitionen zwischen den Jahren 2000 bis 2003 ist in Sassnitz die modernste Fischverarbeitungsfabrik Deutschlands entstanden. Unter dem Namen „Rügen Fisch AG“ verkauft sie ihre Ware weltweit. Doch auch hier setzt man zudem auf Touristen, indem man direkt in der Fabrik eine Verkaufsstelle sowie ein Bistro eingerichtet hat.
Der namensgebende Ortsteil Sassnitz´ ist die heutige Sassnitzer Altstadt. Das ehemalige Dorf Crampas lag in dem Bereich der heutigen Einkaufsstraße „Rügen-Galerie“. Leider erinnert heute nichts mehr an das ehemalige Dorf. Während das alte Sassnitz Sanierungsgebiet wurde, erging es vielen ehemaligen Crampasser Hotels und Villen schlechter. Noch in den 1990er Jahren wurden die ehemaligen renommierten Hotels „Walfisch“ und „Victoria“ abgerissen, um für Wohnblöcke Platz zu machen. Nur wenige der ehemaligen Crampasser Häuser wurden bis heute erhalten. Neueste “Opfer” der Abrissbirne sind die Reste des ehemaligen Hotels “Monopol”, die ehemalige Villa “Arndt” in der Hafenstraße und das ehemalige “Hafenhotel”.
Umso erfreulicher ist es, dass die Villen des alten Sassnitz die Jahrzehnte überdauert haben und heute fast sämtlich restauriert sind.
Die Voraussetzungen der Entstehung beider Ortschaften unterschieden sich wesentlich voneinander. So war Crampas von Anfang
an ein Bauerndorf oberhalb des Hochufers gelegen. Sassnitz hingegen war eine sogenannte Lieten-Siedlung und wurde
ausschließlich von Fischern bewohnt. Nach dem Aufstieg zu Touristenstandorten wuchsen beide Ortschaften merklich zusammen
und verloren dabei immer mehr ihre ursprüngliche Funktion. Ein Beispiel für eine Lieten-Siedlung stellt noch heute das Fischerdorf
Vitt auf der Halbinsel Wittow dar. Durch den Verzicht auf Neubauten oder touristischen Einrichtungen, blieb es bis heute in seiner
ursprünglichen Form erhalten und stellt so einen Vergleich zu der Ortschaft Sassnitz in ihren Anfängen dar.