Frank Biederstaedt
Die Stubnitz und ihre Umgebung
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Als Stubnitz wird die Waldlandschaft an der Ost-
küste der Halbinsel Jasmund bezeichnet, die
sich von Sassnitz im Süden bis fast an die
Ortschaft Lohme im Norden erstreckt. Im Osten
wird sie durch die Kreideküste und der Ostsee
begrenzt, im Westen verläuft sie entlang der
Ortschaften Buddenhagen, Rusewase, Wüstung
Falkenburg, Poissow, Jägerhof, Nipmerow und
Ranzow. Sie ist vollständig Bestandteil des im
Jahr 1990 gegründeten 3003 ha großen
Nationalpark Jasmund. An ihr schließen sich drei
Waldgebiete an, die zwar eigene Namen
aufweisen aber nahtlos in die Stubnitz
übergehen. Dies sind der Lenzbusch bei
Sassnitz, das Sehlitzer Kratt und das Hohe Holz
(ehemals Bestandteil des Spyckerschen
Geheges).
Die Stubnitz unterlag einer Jahrhunderte
währenden Benutzung durch den Menschen. Als
einzige Holzquelle für die Halbinseln Wittow und
Jasmund wurde sie besonders ab der frühen
Neuzeit durch übermäßige Holzentnahme in
Mitleidenschaft gezogen. Mehrere
Holzordnungen schafften es kaum, die
Mißwirtschaft in der Stubnitz zu bekämpfen. Ab
1858 wurde dann ein geordneter Betriebsplan
mit einer Einteilung in verschiedene
Schutzbezirke eingeführt um ein normales
Altersklassenverhältnis herzustellen. So achtete
man nun verstärkt auf die Naturverjüngung und
schuf durch Buchenballenpflanzungen nach und
nach einen Schutzgürtel gegen die Seewinde.
Alte Buchen direkt an der Steilküste wurden
entfernt, damit das Gewicht der Bäume den
Abbruch nicht beschleunigte. Auch fing man an
in allen Randjagen längs der Ostsee, dem
westlichen Teil des Schlossbergs und dem
Die Stubnitz auf der Halbinsel Jasmund (Quelle: google earth)
Fahrenberg zum Schutz der Stubnitz zur Plenterbewirtschaftung überzugehen. Auch entfernte man sich von den am Anfang
des 19. Jahrhunderts eingerichteten Kaweln und Schlägen und richtete kleinere Abteilungen ein, die sogenannten Jagen an
deren Grenzen Steine mit den jeweiligen Jagennummern aufgestellt wurden. Um 1910 erfolgte noch einmal eine
Umbenennung der Jagen. Viele dieser Jagensteine sind noch heute in der Stubnitz vorhanden.
Die Stubnitz war mehrere Jahrhunderte ohne nennenswerte Schutzmaßnahmen abgesehen von den Holzordnungen die aber
im Wesentlichen wirtschaftlichen Interessen dienten, der übermäßigen Nutzung des Menschen ausgesetzt. Ausschlaggebend
für eine Ausweisung eines „Naturschutzgebiet Jasmund“ war die Tatsache, dass der bereits 1893 stillgelegte Kreidebruch am
Kieler Bach im Jahr 1926 wieder in Betrieb genommen werden sollte. Am 5. November 1926 richteten einige Abgeordnete des
Preußischen Landtags eine Anfrage an die Staatsregierung, ob der Staatsminister bereit sei, die von der Stralsunder
Regierung gegebene Genehmigung zum Kreideabbau zurückzuziehen. Dabei sollte zur dauernden Sicherung das Steilufer
zwischen Sassnitz und Stubbenkammer zum Naturdenkmal erklärt werden. E. Holzfuß teilte darauf auf der Jahreskonferenz
für Naturdenkmalpflege am 15. und 16. November 1926 in Berlin mit, dass er einen Antrag gestellt habe, die Kreideküste zum
Naturdenkmal zu erklären.  Daraufhin stellte die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen einen Antrag auf
Erklärung der Küste und ihrem Hinterland zum Naturschutzgebiet. Das Ergebnis hierbei war eine Polizeiverordnung für das
Naturschutzgebiet „Jasmund“ vom 17. März 1929. Am 27. August 1935 wurde eine zweite Schutzverordnung für dieses
Naturschutzgebiet erlassen. Diese Verordnung über das NSG Jasmund vom 27. August 1935 wurde in das Naturschutzgesetz
der DDR vom 4. August 1954 übernommen und behielt seine Gültigkeit.
Viele Nutzungsarten haben die Stubnitz in irgendeiner Weise beeinflusst und sie damit zu einer Kulturlandschaft, d.h. zu einer
vom Menschen geprägten Landschaft werden lassen. Inzwischen wird die Stubnitz nicht mehr wirtschaftlich genutzt. Durch
den Nationalpark Jasmund wird seit 1990 versucht, aus der ehemaligen Kulturlandschaft eine Naturlandschaft zu machen.
 
Der Königsstuhl von der Victoria-Sicht aus
ehemaliges Baumhaus Schwierenz
Stubnitzszene am Schlossberg
Haus in Promoisel, im Hintergrund ehemaliger
Forstkaten Borrin
Kreidebruch bei Promoisel, im Hintergrund das
Sehlitzer Kratt
um 1889 erbautes Gebäude der ehemaligen
Oberförsterei Werder