Bevor ich mit der Historie zum Bergschlösschen beginne, möchte ich darauf hinweisen, dass Informationen, Fotos
etc. dermaßen selten sind, so dass sich manchmal die Geschichte dieses wunderschönen Restaurants nur
mutmaßen lässt. Trotzdem versuche ich einen korrekten Hergang der Geschichte darzustellen und wäre sehr
angetan, wenn der eine oder andere Besucher meiner Seite zur Vervollständigung beitragen könnte.
Die Geschichte des Bergschlösschens nimmt im Jahr 1879 seinen Anfang. Das Ostseebad Sassnitz war schon fast
komplett aus seiner Liete (Schlucht) herausgewachsen. Neubauten oder Aufstockungen und Anbauten an vor-
handenen Gebäuden prägten das Bild. Sassnitz befand sich auf dem besten Wege, führendes Ostsee-Bad zu
werden bzw. war es schon. Vor allen Dingen waren es Fremde, die große Villen und Logierhäuser im "Wettstreit"
mit den Einheimischen bauten.
Auch im Nachbardorf Crampas setzte eine Bautätigkeit ein, jedoch nicht so stark wie in Sassnitz, da Crampas die
Zeichen der Zeit ein wenig an sich vorübergehen lässt. Hinter dem Dorf Crampas steigen steil die Crampasser
Berge in die Höhe. Dort pachtete der Bauherr (wahrscheinlich Alex Saegert aus Crampas) Land und baute darauf
eine kleine Restauration.
Auf dem Bild unten links aus den 1890er Jahren sieht man das (erste) Bergschlösschen aus den Crampasser
Bergen hervorragen. Das Haus im Vordergrund ist die noch heute existierende Villa "Waldmeister". Das Bild rechts
aus gleicher Perspektive im Januar 2005.
Die 1890er Jahre hatten allerdings einen faden Beigeschmack. Alles begann zu allerhöchster Zufriedenheit mit
dem Besuch der Deutschen Kaiserin Auguste Viktoria im Jahr 1890. Der erhoffte Besucherstrom blieb jedoch im
darauffolgenden Jahr aus. Erst dann stieg die Besucherzahl von Sassnitz und Crampas an. Doch hatte Sassnitz zu
dieser Zeit mehrere starke Gegner. Nun waren die Ostseebäder Binz, Sellin und Göhren am Zug und ihr Vorteil
hieß - Sandstrand. Es ist nur verständlich, dass es sich mit Sand unter den Füßen besser baden lässt als mit
Steinen, wobei Sassnitz extrem hohe Summen für Strandsand ausgab! Die Besitzer der Villen und Hotels
wechselten immer häufiger. Schaut man sich die Konkurse und Zwangsversteigerungen für Crampas in den Jahren
1890 bis 1900 an, so stellt man fest, dass es in diesen Jahren 15 Vorfälle dieser Art gab. (Weber, Egon: Die
Entwicklung des Ostseebades Sassnitz bis zum 1. Weltkrieg; Greifswald - Stralsunder Jahrbuch 1965, S. 74)
Auch das Bergschlösschen blieb davon im Laufe der Zeit nicht verschont und wechselte mehrmals die Besitzer.
Doch vorher ereignete sich ein anderer Vorfall. Das Rügensche Kreis- und Anzeigeblatt schrieb in seiner Ausgabe
vom 27.10.1897 folgendes:
„ Crampas-Sassnitz, 25. Oktober. Heute Morgen gegen 8 Uhr brach in dem Restaurant „Bergschlößchen“ Feuer
aus. Das Feuer hatte bald soweit um sich gegriffen, so daß in etwa 10 Minuten das ganze Haus in Flammen stand.
Die gegen 8 1/2 Uhr hinzukommende Feuerspritze konnte nur noch verhindern, daß die ringsherumstehenden
Bäume vom Feuer verschont blieben. An dem Mobiliar und dem Gebäude selbst war eine Rettung nicht mehr
möglich, da letzteres in dem oberen Stockwerk aus Holz und nur im unteren Stockwerk zum Theil aus Mauerwerk
hergestellt ist. Von dem gesammten Mobiliar sind nur einige Betten und sonstige Kleinigkeiten aus dem
Untergeschoß gerettet worden. Als der Besitzer des „Bergschlößchen´s“, Herr Alex Sägert, erwachte, hatte sich
das Feuer bereits auf alle Theile des Hauses verbreitet, daß der p. Sägert nur noch mit genauer Noth in´s Freie
gelangte, auch der bei ihm im unteren Stockwerk schlafende Musiker Zabel erwachte erst, als das Feuer im vollen
Gange war. Das Gebäude sowie das Mobiliar ist mit etwa 9000 Mark bei der Feuerversicherungsgesellschaft
„Londoner Phönix“ versichert. Die Entstehungsursache konnte bisher nicht festgestellt werden.“
Bereits am 16.12.1897 waren die Baupläne (Bild unten) für den Neubau fertiggestellt und am 6. April 1898 stellte
der Besitzer des Bergschlösschens A. Saegert einen Antrag, seine abgebrannte Restauration neu aufzubauen. Im
Juli 1898 erfolgte ein weiterer Antrag, um den Rohbau abzunehmen.
Ein herrliches Gebäude trat an die Stelle der kleinen Restauration.
Ein Café und Restaurant von allerhöchster Güte mit Terrasse
und 3 Aussichtsplattformen. Später wurde noch ein Fernrohr
hinzugefügt um die umliegende Landschaft, besonders die gegen-
überliegenden Bäder Göhren, Sellin und Binz mit der Granitz
und dem Jagdschloss genau zu betrachten.
Nach 1900 ereignete sich jedoch ein weiterer Vorfall, den ich leider noch nicht begründen kann. Die 2.
Aussichtsplattform verschwand völlig, wobei mir unklar ist, wann und warum sich dieser Vorfall ereignete. Das Bild
unten links stammt aus Max Kochs "Zur Geschichte von Sassnitz". In einem Plan von Sassnitz aus dem Jahr 1909
befindet sich ein Gebäude, welches auf Kochs Foto rechts unten zu sehen sein müsste. Da dieses Gebäude noch
nicht vorhanden ist, muss das Foto vor 1909 entstanden sein und somit auch die 2. Plattform vor 1909
verschwunden sein. Das Bergschlösschen präsentierte sich daher die letzten Jahre seines Bestehens mit ledig-
lich 2 Aussichtsplattformen wie das Inserat von 1914, Kochs Foto sowie das Foto rechts zeigen.
Diese seltene Luftaufnahme unten zeigt Sassnitz um 1918. Das Bergschlösschen ist links in den Wäldern der
Crampasser Berge zu erkennen. Doch rechts daneben sieht man schon die "weiße" Bedrohung für das
Bergschlösschen. Die Crampasser Berge sind die reinsten Kreidevorkommen und in den 1920er Jahren waren
Arbeitsplätze genauso wichtig wie heute und die Kreideindustrie nagte an den Crampasser Bergen und drang
immer weiter vor. Der Kreidebruch auf der Luftaufnahme ist der Bruch "Galitz" welcher 1912 in Betrieb ging. Ihm
folgten noch zwei weitere. Der Bruch "Bliesath" und das "Kreide- und Kalkwerk Sassnitz" entstanden 1923 und
leiteten das Ende des Bergschlösschens ein. Nachdem es in den letzten Jahren seines Bestehens noch als
Werkswohnung für die Kreidearbeiter benutzt wurde, fiel es wahrscheinlich im Jahr 1925 dem Kreideabbau
endgültig zum Opfer.